Warum werden manche Störarten schneller geschlechtsreif als andere?
Die Stör Geschlechtsreife hängt nicht allein vom Alter ab. Störarten unterscheiden sich genetisch, wachsen unterschiedlich schnell und reagieren auf Faktoren wie Ernährung, Wassertemperatur und Lebensraum. Auch die Bedingungen in der Aquakultur können beeinflussen, wann ein Weibchen erstmals geschlechtsreif wird und damit Kaviar entwickeln kann.
Was bedeutet Geschlechtsreife bei Stören?
Geschlechtsreife bedeutet, dass ein Stör sich fortpflanzen kann. Bei Weibchen ist damit die Entwicklung der Eierstöcke bis zu einem Stadium gemeint, in dem die Fische unter geeigneten Bedingungen Eier bilden und zur Fortpflanzung beitragen können. Bei Männchen betrifft die Reifung die Entwicklung der Hoden und die Bildung von Spermien. Dabei werden männliche Störe bei vielen Arten früher geschlechtsreif als weibliche. Für die Kaviarproduktion sind jedoch vor allem die Weibchen relevant, da sich der wirtschaftlich nutzbare Kaviar aus ihren unbefruchteten Eiern entwickelt.
Die Frage „wann werden Störe geschlechtsreif?“ lässt sich deshalb nicht mit einer einzigen Jahreszahl beantworten. Selbst innerhalb derselben Art können sich die Werte je nach Population und Haltungsbedingungen unterscheiden. Bei der Störzucht wird daher nicht nur das Alter betrachtet, sondern auch die Körpergröße, das Wachstum und der Entwicklungsstand der Gonaden.
Warum unterscheiden sich Störarten beim Alter der Geschlechtsreife?

Genetik und Art
Der wichtigste Ausgangspunkt ist die Art selbst. Beluga (Huso huso), Kaluga (Huso dauricus), Ossetra beziehungsweise Russischer Stör (Acipenser gueldenstaedtii), Sevruga (Acipenser stellatus) und Baerii (Acipenser baerii) haben unterschiedliche Lebensstrategien. Diese Unterschiede sind über die Evolution entstanden. Einige Störarten wachsen langsam und werden erst relativ spät geschlechtsreif. Andere erreichen die für die Fortpflanzung notwendige Entwicklung deutlich früher. Deshalb ist das Stör Geschlechtsreife Alter immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Art zu betrachten.
Der Beluga gehört beispielsweise zu den spät reifenden Stören. Für Weibchen werden in freier Natur je nach Quelle Werte von etwa 14 bis über 20 Jahren angegeben. Beim Kaluga liegen die dokumentierten Werte ebenfalls deutlich höher als bei schnell reifenden Arten.
Wachstum und Körpergröße
Alter und Körpergröße sind bei Stören eng miteinander verbunden, aber nicht dasselbe. Ein Fisch eines bestimmten Alters muss nicht überall gleich groß sein. Wachstum hängt unter anderem von Temperatur, Nahrungsangebot und den allgemeinen Bedingungen des Lebensraums ab. Bei einigen Störpopulationen zeigt sich deshalb, dass die Geschlechtsreife stärker mit dem Erreichen einer bestimmten Körpergröße und einem bestimmten Entwicklungszustand zusammenhängt als mit dem Kalenderalter allein. Untersuchungen zum Kaluga zeigen beispielsweise, dass Alter, Körpergröße und Gewicht bei der Geschlechtsreife zusammen betrachtet werden müssen.
Das erklärt auch, warum zwei Fische derselben Art nicht zwingend im gleichen Jahr geschlechtsreif werden. Ein schnell wachsendes Tier kann bestimmte Entwicklungsstadien früher erreichen als ein Tier, das unter weniger günstigen Bedingungen langsamer gewachsen ist.
Ernährung
Ernährung beeinflusst vor allem das Wachstum und damit indirekt auch die sexuelle Entwicklung. Ein Stör benötigt ausreichend Energie und Nährstoffe, um zunächst Körpermasse aufzubauen und später Ressourcen in die Entwicklung der Fortpflanzungsorgane zu investieren. Die Forschung zur Störernährung zeigt, dass Energie-, Protein-, Fett-, Vitamin- und Mineralstoffversorgung wichtige Faktoren für Wachstum und Entwicklung sind. Gleichzeitig unterscheiden sich die Ernährungsanforderungen zwischen den einzelnen Störarten. Das bedeutet jedoch nicht, dass eine besonders reichhaltige Fütterung automatisch zu einer früheren Geschlechtsreife führt. In der Aquakultur geht es vielmehr darum, Bedingungen zu schaffen, unter denen die Fische gesund und gleichmäßig wachsen können.
Wassertemperatur und Lebensraum

Auch die Temperatur spielt eine wichtige Rolle. Störe sind wechselwarme Tiere, weshalb ihre Stoffwechsel- und Entwicklungsprozesse von der Umgebungstemperatur beeinflusst werden. Das lässt sich besonders gut am Vergleich verschiedener Populationen erkennen. Beim Kaluga wurde beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Wassertemperatur und dem Alter der Geschlechtsreife beschrieben. Auch die Wachstumsbedingungen werden durch thermische und trophische Faktoren beeinflusst.
Dabei sollte man jedoch nicht vereinfachen und sagen, dass „wärmer immer schneller“ bedeutet. Jede Art hat ihren eigenen physiologischen Bereich. Zu hohe Temperaturen oder ungeeignete Wasserbedingungen können Stress verursachen und die Gesundheit sowie Entwicklung beeinträchtigen. Der natürliche Lebensraum spielt deshalb eine wichtige Rolle. Ein Stör, der in einem kalten Flusssystem lebt, kann einen anderen Entwicklungsrhythmus zeigen als ein Tier derselben Art, das unter kontrollierten Bedingungen mit stabiler Temperatur aufgezogen wird.
Unterschiede zwischen Wildbestand und Aquakultur
Hier liegt einer der grössten Unterschiede. In der Natur sind Störe wechselnden Temperaturen, saisonalen Bedingungen, schwankendem Nahrungsangebot und langen Wanderungen ausgesetzt. In der Aquakultur können viele dieser Faktoren kontrolliert werden. Wasserqualität, Temperatur, Fütterung und Haltung lassen sich gezielter steuern. Studien und Übersichtsarbeiten zeigen, dass Störe unter kontrollierten Aquakulturbedingungen teilweise deutlich früher geschlechtsreif werden können als ihre Artgenossen in freier Natur. Für bestimmte Kreislaufanlagen wurde sogar eine deutlich beschleunigte Reifung beschrieben. Das bedeutet nicht, dass jede Farm dieselben Ergebnisse erreicht. Die konkrete Entwicklung hängt von Art, Genetik, Haltungssystem, Temperatur, Fütterung und weiteren Faktoren ab.
In welchem Alter werden verschiedene Störarten geschlechtsreif?
Eine allgemeingültige Tabelle für das Stör Geschlechtsreife Alter ist schwierig, weil wissenschaftliche Angaben je nach Population und Haltungsform variieren. Die folgende Übersicht verwendet deshalb vor allem die von EUMOFA zusammengetragenen Werte für Wildbestand und Gefangenschaft beziehungsweise Aquakultur. Sie sind als typische Bereiche und nicht als feste biologische Grenze zu verstehen.
| Störart | Wissenschaftlicher Name | Typischer Zeitraum* | Einfluss auf Kaviar |
|---|---|---|---|
| Beluga | Huso huso | Wild: 19–22 Jahre; Aquakultur: 16–18 Jahre | Späte Reife bedeutet eine lange Aufzuchtphase bis zur Kaviarproduktion. |
| Kaluga | Huso dauricus | Wild: 14–23 Jahre; Aquakultur: 7–12 Jahre | Deutlicher Unterschied zwischen natürlichen und kontrollierten Bedingungen. |
| Ossetra | Acipenser gueldenstaedtii | Wild: 12–16 Jahre; Aquakultur: 9–11 Jahre | Die frühere Reife in der Zucht kann die Produktionsdauer verkürzen. |
| Sevruga | Acipenser stellatus | Wild: 9–11 Jahre; Aquakultur: 8–10 Jahre | Weibchen können unter geeigneten Bedingungen früher zur Kaviarproduktion beitragen. |
| Baerii | Acipenser baerii | Wild: 19–20 Jahre; Aquakultur: 6–8 Jahre | Einer der deutlicheren Unterschiede zwischen Wild- und Zuchtbedingungen. |
| Hybridstör | je nach Kreuzung unterschiedlich | keine einheitliche Angabe | Die Reife hängt von den beteiligten Arten und der konkreten Kreuzung ab. |
*Die Werte beziehen sich auf die jeweilige Quelle und sollten nicht als exaktes Alter für jedes einzelne Tier verstanden werden. EUMOFA weist für mehrere Arten deutliche Unterschiede zwischen Wildbestand und Haltung aus. Für Acipenser stellatus nennen andere wissenschaftliche Arbeiten beispielsweise 8–10 Jahre für weibliche Tiere in natürlichen Populationen. Besonders deutlich wird der Einfluss der Haltung beim Sibirischen Stör (Acipenser baerii). Die FAO nennt unter gemäßigten Zuchtbedingungen etwa sieben Jahre für Weibchen und sechs Jahre für Männchen. Gleichzeitig können natürliche Populationen wesentlich später geschlechtsreif werden. Bei Ossetra sind die Unterschiede ebenfalls gut dokumentiert. Unter natürlichen Bedingungen werden Männchen und Weibchen später geschlechtsreif als unter Aquakulturbedingungen. Eine Untersuchung an Acipenser gueldenstaedtii nennt für die Natur etwa 8–13 Jahre für Männchen und 10–16 Jahre für Weibchen.
Warum ist die Geschlechtsreife für Kaviar wichtig?

Die Geschlechtsreife ist einer der entscheidenden Punkte in der Kaviarproduktion Stör. Erst wenn ein weiblicher Stör die entsprechende Entwicklungsstufe erreicht hat, können seine Eier für die Kaviarernte relevant werden. Das erklärt, warum das Alter eines Störs allein wenig über seine Eignung für die Kaviarproduktion aussagt. Ein 10 Jahre alter Fisch kann je nach Art und Haltungsbedingungen bereits geschlechtsreif sein oder noch mehrere Jahre benötigen. Auch nach der Geschlechtsreife ist die Produktion nicht einfach ein jährlicher Vorgang. Weibliche Störe ovulieren nicht zwangsläufig jedes Jahr. Bei der Aquakultur müssen Züchter deshalb den Reifegrad der Eierstöcke bestimmen und geeignete Tiere für die Fortpflanzung beziehungsweise Kaviarernte auswählen.
Was bedeutet das für Kaviar aus Aquakultur?
Aquakultur ermöglicht es, die Bedingungen während des langen Wachstumsprozesses besser zu kontrollieren. Temperatur, Wasserqualität und Ernährung können gezielt überwacht werden. Dadurch kann sich der Zeitraum bis zur Geschlechtsreife bei bestimmten Arten gegenüber natürlichen Populationen verkürzen. Für die Kaviarproduktion ist das wirtschaftlich relevant, denn ein weiblicher Stör muss oft viele Jahre aufgezogen werden, bevor Kaviar gewonnen werden kann. EUMOFA beschreibt die lange Aufzuchtzeit als eine der zentralen Herausforderungen der Störaquakultur.

Gleichzeitig sollte man die Begriffe „schneller“ und „langsamer“ nicht mit „besser“ oder „schlechter“ gleichsetzen. Eine frühe Geschlechtsreife ist zunächst ein biologisches Merkmal. Welche Kaviarsorte daraus entsteht, hängt wiederum von der Störart, der Entwicklung des Tieres, der Haltung und weiteren Faktoren ab. Wer die Unterschiede zwischen Beluga, Ossetra, Sevruga, Baerii und Hybridstör genauer verstehen möchte, findet im Überblick zu den Kaviar Sorten weitere Informationen.
Häufige Fragen
Das hängt stark von der Störart, dem Geschlecht und den Lebensbedingungen ab. Weibchen werden meist später geschlechtsreif als Männchen. Bei Zuchtstören kann die Reife je nach Art deutlich früher eintreten als in freier Natur.
Unter den in der Tabelle genannten Arten gehört Baerii zu den früher reifenden Stören in der Aquakultur. EUMOFA nennt für Acipenser baerii etwa sechs bis acht Jahre in Gefangenschaft. Die genaue Entwicklung hängt jedoch von den Haltungsbedingungen ab.
Beluga (Huso huso) gehört zu den grossen und spät reifenden Störarten. Sein natürlicher Entwicklungsrhythmus führt zu einer langen Zeit bis zur Fortpflanzungsreife. Auch in der Aquakultur bleibt die Aufzuchtphase im Vergleich zu mehreren anderen Arten lang.
Ja. Alter und Entwicklungsstadium des Weibchens beeinflussen die Entwicklung der Eier und damit den Zeitpunkt, zu dem Kaviar gewonnen werden kann. Die Menge des Kaviars hängt ausserdem unter anderem von Art, Größe und Alter des Weibchens ab.
Bei vielen Arten ja, zumindest unter geeigneten kontrollierten Bedingungen. Der Unterschied ist jedoch nicht bei jeder Art gleich groß. Temperatur, Ernährung, Wachstum, Wasserqualität und Haltungssystem können die Entwicklung beeinflussen.
Ohne geschlechtsreife Weibchen gibt es keine reifen Eier für die Kaviarproduktion. Deshalb gehört die Kontrolle der Gonadenentwicklung zu den wichtigen Aufgaben in der Störzucht. Die lange Zeit bis zur Reife ist gleichzeitig einer der Gründe, warum die Produktion von Störkaviar eine langfristige Planung erfordert.